Wahlkampf im Hygieneanzug

FDP-Spitzenkandidaten Dr. Marcel Klinge und FDP-Präsidiumsmitglied und Mitglied des Europäischen Parlaments Michael Theurer besuchten am Freitag, 15.09.2017 den bekannten Fleisch- und Wurstwarenproduzenten in Blumberg

Der Schwarzwaldhof ist eine beliebte Anlaufstelle für Wahlkämpfer. Zweimal war die CDU mit Landesminister Guido Wolf und dem Bundestagsmitglied Thorsten Frei schon vor Ort. Da wollte die FDP dagegenhalten und hat sich gleich mit ihrem baden-württembergischen Frontmann beim Schwarzwaldhof angemeldet.

Damit ein Schwarzwälder Schinken zum Gaumengenuss wird, muss der Abtrocknungsgrad der Hackschnitzel ganz genau stimmen. Sind sie zu feucht und ist der Grünanteil zu hoch, dann entsteht in der Räucherkammer ein beißendes Aroma. Sind die Hackschnitzel aus Tannenholz zu trocken, steigt Flugasche auf – was auch unerwünscht ist. Mit diesem Basiswissen der Schinkenherstellung hat Michael Theurer, der beim Landesparteitag der FDP in Donaueschingen zum baden-württembergischen Spitzenkandidaten seiner Partei für die Bundestagswahl am 24. September gewählt wurde, gestern den Blumberger Schwarzwaldhof verlassen. An seiner Seite Marcel Klinge, der FDP-Kandidat im Wahlkreis Schwarzwald-Baar, sowie Patrick Leismann vom FDP-Ortsverband Blumberg und Helmut Ochs, ehemaliger liberaler Gemeinderat und in Berufszeiten der Hausarchitekt des Schwarzwaldhofs.

Der Fleisch- und Wurstwarenproduzent ist eine beliebte Anlaufstelle für Wahlkämpfer. Zweimal war die CDU mit Landesminister Guido Wolf und dem Bundestagsmitglied Thorsten Frei schon vor Ort. Da wollte die FDP dagegenhalten und hat sich gleich mit ihrem baden-württembergischen Frontmann beim Schwarzwaldhof angemeldet. Der hat nach eigener Aussage bislang 14 000 Kilometer in vier Wochen Wahlkampf zurückgelegt und dabei bis jetzt seine gute Laune behalten. „Was ist der Unterschied zwischen mir und einem Mofa?“, fragte er die Schwarzwaldhof-Geschäftsführer Andreas Pöschel und Andreas Göhring, um die Antwort gleich selbst zu geben: „Ein Mofa kann man frisieren.“

Ein Späßchen zum Einstieg in die Unternehmenspräsentation mit vielen Daten und Fakten über den Schwarzwaldhof und Edeka-Südwest (siehe Erklärstück). Dazwischen immer wieder Nachfragen des bisherigen Europapolitikers Theurer, den das „Handelsblatt“ als „Mr. Mittelstand der FDP“ bezeichnet hat. Das passt gut zum Schwarzwaldhof mit seinen 290 Mitarbeitern. Und die klotzten in diesen Tagen richtig ran, wie die beiden Geschäftsführer unterstrichen. Das dritte Quartal sei immer das umsatzträchtigste. Da müsse auch an Wochenenden und zu Nachtstunden gearbeitet werden, um die Kunden zu beliefern. Schinkenwürfel seien besonders nachgefragt, es sei Flammkuchen- und Raclette-Zeit. Dann ging es um den Fachkräftemangel und bürokratische Auflagen im Zusammenhang mit einem neuen Abgaskamin. “Mir ist es grundsätzlich lieber, Unternehmen investieren in Technik und nicht in Papier”, so Theurer. Beeindruckt zeigte sich der Liberale über die vielen Projekte, die der Schwarzwaldhof jenseits der Fleisch- und Wurstproduktion umsetzt – so wie beispielsweise einen Gesundheitstag, eine Baumpflanzaktion oder das Sponsoring des am Unternehmen vorbeiführenden Qualitätswanderwegs.

Kann sich der FDP-Mann eine Jamaika-Koalition mit der CDU und den Grünen vorstellen? Nur dann, wenn liberale Inhalte nicht geopfert werden müssten wie der Wegfall des Solidaritätszuschlags, eine Steuer- und Abgabensenkung

und eine Reform des Arbeitsschutzgesetzes. Eine Vermögenssteuer, so wie es die Grünen wollten, sei mit der FDP nicht zu machen. “Wir haben 2013 eine große Steuerreform versprochen und dann nicht geliefert. Deshalb sind wir aus dem Bundestag geflogen. Das wird uns nicht mehr passieren”, kündigte Theurer an. Die Grünen auf Bundesebene lägen leider nicht auf Kretschmann-Kurs.

Gerne hätten Pöschel und Göhring noch ein Thema angesprochen, das ihre Branche gerade umtreibt. In Nordrhein-Westfahlen sei beschlossen worden, dass die Betriebe die vom Veterinäramt ausgesandten Lebensmittelkontrolleure aus eigener Tasche bezahlen müssten. Soweit dürfe es in Baden-Württemberg auf keinen Fall kommen. Schließlich erhielten Fußballvereine ja auch keine Rechnung, wenn sie für Sicherheit im Stadion und auf dem Weg dorthin sorgten. Doch für dieses Thema blieb keine Zeit. Theurer hatte gestern um 12 Uhr einen Termin in der Stuttgarter Innenstadt. Um kurz nach zehn Uhr schüttelte er die Hände zum Abschied im Schwarzwaldhof. Ohne Stau sollte er pünktlich gewesen sein und seine Wahlkampf-Kilometer sind jetzt auf rund 14 150 angewachsen.

Zur Person und zum Schwarzwaldhof

  • Michael Theurer: Der FDP-Politiker übernahm mit 27 Jahren sein erstes großes Amt: Er wurde Oberbürgermeister seiner Heimatstadt Horb am Neckar. 2009 wechselte der Diplom-Volkswirt aus dem Schwarzwald nach Brüssel und zog für die Liberalen ins Europäische Parlament ein. Nach dem schlechten Abschneiden der FDP bei den Landtagswahlen 2011 übernahm er den Landesvorsitz der Partei. 2016 kündigte er an, als Spitzenkandidat der baden-württembergischen Liberalen in den Bundestagswahlkampf zu ziehen. Im selben Jahr heiratete er seine langjährige Lebensgefährtin.
  • Edeka-Südwest: Der Schwarzwaldhof gehört zu Edeka-Südwest. Dessen Konzernumsatz lag 2016 bei 8,4 Milliarden Euro. Dieser wurde in 1300 Märkten erwirtschaftet, davon sind 349 Regiemärkte, 951 werden von selbstständigen Einzelhändlern geführt (so wie Blumbergs-Edeka-Markt von Karsten Schlesiger). Der Konzern beschäftigt 43 500 Mitarbeiter, darunter 2900 Lehrlinge in 34 Ausbildungsberufen.
  • Schwarzwaldhof: Er wurde 1970 gegründet, hat aktuell 290 Mitarbeiter und firmiert seit 2007 unter seinem jetzigen Namen. Durchschnittlich 48 Tonnen Brüh- und Rohwurst stellt das Unternehmen in jeder Woche her, 14 Tonnen Kochpökelwaren und Kochschinken, 78 Tonnen Rohschinken und 66 Tonnen Schinkenwürfel. Die gesamte Produktionsmenge lag 2015 bei 10 710 Tonnen.
  • Exportkunden: Der im Ausland erzielte Umsatz liegt bei fünf Prozent. Exportkunden gibt es in Frankreich, der Schweiz, Estland, Tschechien, Österreich und England.

Dr_MarcelKlinge

Von links: Patrick Leismann vom FDP-Ortsverband Blumberg, Dr. Marcel Klinge FDP Spitzenkanidat BW, Michael Theurer FDP-Präsidiumsmitglied und Mitglied des Europäischen Parlaments, Andreas Pöschel GBL Schwarzwaldhof,Andreas Göhring GBL Schwarzwaldhof, Helmut Ochs, ehemaliger liberaler Gemeinderat und zu Berufszeiten der Hausarchitekt des Schwarzwaldhofs.